Spezial


Schatzkammer und Hofjagd- und Rüstkammer

Die Wiener Hofjagd- und Rüstkammer ist die bedeutendste höfische Rüstkammer der abendländischen Welt. Beeindruckende handwerkliche Meisterleistungen erzählen von herrschaftlicher Erziehung, Festkultur, Allianzen, Konkurrenzen und der Faszination des Fremden. In der Schatzkammer erwarten uns das Horn eines Einhorns, Edelsteine und die einzigartige Heilige Lanze. Objekte erzählen vom mittelalterlichen Reliquienkult und von den Traditionen des Ordens vom goldenen Vlies. Wir sehen die Kronen des Heiligen Römischen Reiches und des Kaiserreichs Österreich – nicht nur kunstvolle Meisterwerke, sondern auch wichtige Insignien der Macht.




Rund um den Tüttensee bei Traunstein

Die Kontroverse um die Entstehung des Tüttensees auf dem Gebiet der Gemeinden Grabenstätt und Vachendorf im Chiemgau sorgte vor einigen Jahren für überregionale Schlagzeilen. Lange bestand Konsens darüber, dass es sich – wie bei so vielen anderen kleinen Seen und Tümpel in der Region – um ein „Toteisloch“ handelt, also ein Überbleibsel aus der letzten Eiszeit. Inzwischen konkurriert diese konservative Sicht mit der These einer Geologentruppe, die das beschauliche, von Wäldern umgebene Gewässer für einen Meteoriteneinschlag hält. Seither stehen sich Gegner und Befürworter der Theorie ziemlich unversöhnlich gegenüber. Lokalpolitiker und Tourismusbehörden griffen die Meteortheorie jedoch begierig auf und ließen vor Ort plakative Schautafeln aufstellen … Wir werden sie uns anschauen! Wie immer er entstanden ist – heute ist der Tüttensee ein beliebtes Naherholungsgebiet, das auch dem Naturfreund einiges zu bieten hat: Die Uferzone zeigt verschiedene Verlandungsphasen, teilweise mit Niedermoor-Charakter und der entsprechenden Vegetation. An den Wegen und entlang der Bäche wachsende Kräuter verarbeiten wir an einem schönen Plätzchen zu Wildgemüse, leckeren Aufstrichen, Blütenbutter und wohlschmeckendem Tee.

Tipps zum Sammeln und Konservieren, Rezepte für Hauptgerichte, Nachspeisen und Getränke, sowie Informationen über die Inhaltsstoffe der gefundenen Kräuter runden die Exkursion ab. 

Ausrüstung: Feste Schuhe, Sonnen- und Mückenschutz und kleine Zettel zum Beschriften der gesammelten Pflanzen mitbringen und auch an ein Trinkglas oder einen Becher denken.




Bronzeskulptur des Manierismus in München

In den Jahrzehnten zwischen 1570 und 1620 hatte großformatige Bronzekunst neben Augsburg vor allem am Münchner Hof Konjunktur. Figürliche Bronzeplastik in großem Format hat grundsätzlich exklusiven Charakter – sie ist extrem kompliziert und extrem teuer. Es ist daher alles andere als selbstverständlich, dass es am bayerischen Herzogshof in München zur Herstellung von Bronzeplastiken nicht nur in großer Zahl und in teils bemerkenswerter Größe, sondern auch in überregional hoher künstlerischer Qualität kam. Denn weder verfügte der Münchner Hof über einen Star-Bildhauer wie ihn sich die Medici in Florenz mit Giambologna (1529-1608) sichern konnten, noch über entsprechend üppige Geldmittel. Doch äußerster politischer Ehrgeiz und günstige verwandtschaftliche Beziehungen führten schließlich zur Produktion spektakulärer, vielfiguriger Bronzebrunnen wie sie erst im Jahrzehnt zuvor von Giambologna und Bartolomeo Ammannati (1511-92) in Florenz entwickelt wurden. Daneben sind es insbesondere Denkmäler und Grabanlagen, die sich heute in der Münchner Jesuitenkirche und dem Dom, auf dem Marienplatz und in den Bronzesälen der Münchner Residenz in hervorragender Weise studieren lassen. Sie belegen, dass München ein erstrangiges Zentrum manieristischer Bronzeskulptur war.


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© Andreas Deusch 2022