Kunstbegegnung                            

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Nur im Wintersemester                                                                                          

Sehen - Vergleichen - Erkennen

Viele der großen Hauptwerke der westlichen Kunstgeschichte sind Werke der Gattung „Historienmalerei“. Sie dokumentieren das Geschichtsverständnis ab der Neuzeit und bieten tiefe Einblicke in die Gelehrsamkeit und Intellektualität unserer Kultur.

Bereits der Florentiner Humanist und Architekt Leon Battista Alberti, der bedeutendste Kunsttheoretiker der Frührenaissance, stellte fest, dass der Historienmaler wie ein öffentlicher Redner sei. Er ist der gebildetste unter den Künstlern und muss auch künstlerisch am meisten beherrschen. Er soll imstande sein, alles zu malen: Menschen und Porträts, Landschaft, Tiere wie Schlachtpferde, Räume, die richtige historischen Gewänder und Uniformen. Der Historienmaler hat der Öffentlichkeit eine Geschichte zu erzählen. Historienmalerei will belehren. Für die barocke Akademie steht die Historienmalerei an der Spitze der Bildgattungen und gilt als die vornehmste Form der Malerei, da sie die großen Bildungsthemen zur Darstellung bringt. Ihr Auftrag lautet, das Herrscherlob und den Ruhm von Dynastien, Nationen und Kommunen zu verkünden. Dasselbe gilt für die großen Themen der christlichen Heilsgeschichte, aber auch die antike Geschichte und Mythologie. Es gelten die Regeln der klassischen Rhetorik, welche der neuzeitlichen Bildsprache als theoretische Grundlage dient. Ab dem 15. Jahrhundert entsteht letztere aus dem humanistischen Denken mit all ihren Allegorien und Symbolen. Diese Bildrhetorik wird für die Kunstwerke der Gegenreformation genauso verwendet wie auch für weltliche absolutistische Propaganda oder modifiziert für die Nationalpädagogik der frühen Moderne. Die großen Staatskünstler waren immer auch Historienmaler. Nochmals: Es ist wenig verwunderlich, dass eine Vielzahl der berühmtesten Gemälde der Welt als Werke dieser Gattung entstanden.

Diese Veranstaltungsreihe wird die Geschichte und Theorie der Historienmalerei anhand zahlreicher Hauptwerke vom 15. Jahrhundert bis in die Klassische Moderne dokumentieren. Alle relevanten Aspekte werden Berücksichtigung finden. An den Anfang gestellt sind eine generelle Einleitung zum Thema sowie die Darstellung der sukzessiven Entstehung der Gattung von der Frührenaissance bis in die Hochrenaissance (Klassik). Im Manierismus erweitert sich das Spektrum der Gattung und das so folgenschwere Tridentinische Konzil wirkt sich auch auf die Historie aus, da die Bildtheologen Roms nun eine andere Erzählweise einfordern. Die Tendenzen zur Verwissenschaftlichung der Kunst im Cinquecento finden ihren Abschluss in der barocken Akademie, welche die Gattung der Historienmalerei als wichtigste versteht. Die Bildsprache ist ab jetzt zunehmend standardisiert und alle Aspekte der Gattung werden in den Sitzungen der Akademien diskutiert. Mit der Kunsttheorie der Aufklärung kommt es zum Bruch: Alles wird neu bewertet und die Historienmalerei ändert sich, was sich spätestens ab der französischen Revolutionsmalerei zeigt. Dieser Bruch prägt die Historienmalerei der frühen Moderne bis zum Ersten Weltkrieg. Auch die großen Historienmaler der „Belle Epoque“ werden gewürdigt. Die Nazarener wiederum wollten für Rom das christliche Historiengemälde erneuern. Sie fanden ihre eigenen Lösungen wie auch ihre Bewunderer, die englischen Präraffaeliten. Die kirchliche Historienmalerei der Moderne bietet kontroversen Diskussionsstoff bis zum Zweiten Vatikanischen Konzil, denn Rom hat ein spezifisches Interesse an dieser Gattung, gerät aber in Konflikt mit den Tendenzen der klassischen Moderne.

Um dieses weite und so faszinierende Spektrum der Thematik abzurunden und um die Theorie dieser so bedeutenden Gattung vor berühmten Gemälden nachzuvollziehen, werden auch zwei Exkursionen angeboten.


Einleitung ins Thema und Entstehung der Gattung der Historienmalerei von der Frührenaissance bis zum Ende der Klassik (1520)

4E, Fr. 10.01.2020, 14.00 - 18.00, Salzburger Bildungswerk, Dr. Stefan Schmitt M.A.


Historienmalerei des Manierismus bis zur Spätrenaissance 1600

4E, Sa. 11.01.2020, 09.00 - 13.00, Salzburger Bildungswerk, Mag. Karlheinz Hetzel


Barocke Historienmalerei: Akademisierung – Bildsprache – Hauptwerke

4E, Sa. 18.01.2020, 09.00 - 13.00, Salzburger Bildungswerk, Dr. Stefan Schmitt M.A.


Historienmalerei der Frühen Moderne 1780 - 1914

4E, Fr. 24.01.2020, 14.00 - 18.00, Salzburger Bildungswerk, Mag. Karlheinz Hetzel


Berühmte Hauptwerke der Historienmalerei in der Alten Pinakothek

8E, Sa. 25.01.2020, 09.00 - 19.00, München, Dr. Stefan Schmitt M.A.


Nazarener bis zum II. Vatikanum und Präraffaeliten

4E, Sa. 01.02.2020, 09.00 - 13.00, Salzburger Bildungswerk, Mag. Karlheinz Hetzel


Von Makart bis Klimt, von Gericault bis Egger - Lienz. Das europäische Bürgertum auf der Suche nach neuen Sehnsuchtsräumen.

4E, Fr. 07.02.2020, 14.00 - 18.00, Salzburger Bildungswerk,

Prof. Mag. Karl Hartwig Kaltner


Exkursion Belvedere und Arsenal

8E, Sa. 08.02.2020, 07.00 - 19.00, WienProf. Mag. Karl Hartwig Kaltner


Bei diesem Seminar ist es nach Anmeldung auch möglich Einzelveranstaltungen zu buchen.

Preise Einzelveranstaltungen: 4E € 25.-/ 8E € 39.- (exclusive Bayernticket - Bahnticket/ öffentlicher Verkehr München + Euro 10.- / Anreise nach Wien in der Gruppe, Ticket Westbahn selbst)


* Änderungen vorbehalten


© Andreas Deusch 2019